Rückblicke

Juni 2015: Mit dem Albverein auf dem Hohenasperg

Die Ortsgruppe Asperg des Schwäbischen Albvereins e.V. besuchte am 17.06.2015 im Rahmen ihres jährlichen Kulturprogramms  das Museum „Ein deutsches Gefängnis“ auf dem Hohenasperg.
Unter Führung von Frau Dr. Franziska Dunkel, Kuratorin im Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Stuttgart), bekamen wir sowohl einen kurzen Rundgang durch das Museum als auch einen Film über Gustav Rau präsentiert.
Im Eingangsbereich des Museums zeigte ein Wandgemälde den Hohenasperg im kollektiven Gedächtnis nach einem Stich von Merian (1643/56). Vielfältige Bezeichnungen beschrieben den seelischen Zustand der Häftlinge, z.B. „Demokratenbuckel“ und „Tränenberg“ (Christian Schubert), aber auch „Freiheitsgrab“ oder „Schicksalsberg“. Auch wurde in diesem Zusammenhang der Hohenasperg gerne als „höchster Berg Württembergs“ bezeichnet.
Von 1737 (Joseph Süß Oppenheimer) bis 1978 (Günter Sonnenberg) saßen viele prominente Häftlinge auf dem Hohenasperg ein. Einer der bedeutendsten Häftlinge war der Dichter Christian Fiedrich Daniel Schubart (1739-1791), der zehn Jahre seines Lebens in der Festung verbrachte.

Beim Rundgang wurden zwei Gefangene vorgestellt, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert versucht haben, auf revolutionäre Weise die Verhältnisse zwischen König und Bürgertum zugunsten einer Demokratie zu verbessern:

Frau Dr. Dunkel stellte zunächst das Leben von Georg David Hardegg (1812-1879) vor, der in Ludwigsburg-Eglosheim geboren wurde und in Ludwigsburg und Antwerpen eine Kaufmannslehre absolvierte. Bei einem Besuch in Antwerpen 1830 wurde er Zeuge der erfolgreichen belgischen Revolution. Diese Ideen versuchte Hardegg in der Neujahrsnacht 1830/31 in Ludwigsburg zu verbreiten. Während eines Parisaufenthalts (1831) bekam Hardegg Kontakte zu französischen Radikalen. Zuhause bemühte er sich in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Buchhändler Gottlob Franckh, weitere entschlossene Republikaner zu werben. Mit Gleichgesinnten sollte der Hohenasperg gleichzeitig mit dem Sturm auf die Hauptwache in Frankfurt gestürmt werden. Ziel war, den König zu stürzen und die Republik auszurufen. Der Umsturzplan scheiterte. 1833 wurden die Beteiligten verhaftet und auf den Hohenasperg verbracht, wo Hardegg fünf Jahr einsaß. Während dieser Zeit opponierte er immer wieder gegen die Staatsgewalt, was ihm zusätzliche Strafen eintrug. Während dieser Zeit bekam Hardegg Kontakte zur Korntaler Brudergemeinde, einer pietistischen Freikirche. Noch in der Haft beschäftigte er sich mit einem Reisebericht über eine Morgenlandreise, der ihn nachhaltig beeinflussen sollte. Nach sieben Jahre Haft schloß er sich 1854 der „Gesellschaft für die Sammlung des Volkes Gottes in Jerusalem“ an, der Templergemeinde. 1858 brach er zu einer Erkundungsreise zum Berg Karmel bei Haifa auf, wo er 1868-1874 Vorsteher der Gemeinde der „Deutschen Templergesellschaft“ in Haifa wurde. Fast mittellos und in seiner Mission enttäuscht starb Hardegg 1879 in Haifa.

Der zweite porträtierte Gefangene war der aus Gaildorf stammende Glasfabrikant Gottlieb Rau (1816-1854). Er war Mitbegründer des demokratischen Kreis-Vereins Stuttgart. Als dessen Abgeordneter nahm er im Juni 1848 am deutschen demokratischen Kongress in Frankfurt teil. Er propagierte die republikanische Staatsform, die nach seiner Auffassung die soziale Frage allein lösen könnte. Er kämpfte nicht gegen das Militär, sondern schloss vielmehr Bruderschaft mit ihm. In der 1848er-Revolution kämpfte er für die Einführung der Demokratie, für die Abschaffung des Königtums und für des Recht auf freie Meinungsäußerung. Bei einer gut besuchten Versammlung in Rottweil am 24.09.1848 rief er zu einem großen Volkstag beim Volksfest in Cannstatt auf. Aber die rund 300 Protestierer kehrten schon in Balingen wieder um, sodass das bereitgestellte Militär nicht mehr eingreifen musste. Rau stellte sich selbst den Behörden und wurde auf den Hohenasperg gebracht. Erst nach 28 Monaten Untersuchungshaft wurden ihm und 14 weiteren Angeklagten vor einem außergewöhnlichen politischen Schwurgerichtshof in Rottweil der Prozess gemacht. Er endete mit einem Schuldspruch, der eine Zuchthausstrafe von 13 Jahren Festungshaft auf dem Hohenasperg vorsah. Zahlreiche Gnadengesuche an König Wilhelm I. lehnte dieser kategorisch ab. Erst als sich Raus Ehefrau Christiane an den Monarchen mit dem Vorschlag wandte, dass sich Rau in Amerika wirtschaftlich konsolidieren sollte, um seine Schulden abbezahlen zu können, wurde Rau begnadigt und des Landes verwiesen. Am 20.05.1853 bestieg Rau, dessen politische Laufbahn mit dem Protest gegen die Massenauswanderung begonnen hatte, ein Schiff nach New York. Dort erwarb er ein Hotel. Ein langes Leben verblieb ihm aber nicht. Rau starb am 02.10.1854 wohl an den gesundheitlichen Folgen der langen Festungshaft.

Anschließend sahen wir einen Film über des Leben und Wirken von Gottlieb Rau mit dem Titel „Vision Freiheit“ (Uraufführung). Der Film war unter Federführung eines Nachfahren von Gottlieb Rau, Manfred Stumpf (Vorstandsmitglied des Schwäbischen Albvereins e.V.), erstellt und u.a. vom Schwäbischen Albverein e.V. finanziell unterstützt worden. Der Film zeichnete in eindrucksvollen Bildern das Schicksal von Gottlieb Rau sowie die damaligen Verhältnisse nach.

Bei sonnigem Wetter klang der Museumsbesuch bei einer kleinen Hocketse im Garten der Schubart-Stube auf dem Hohenasperg aus.

Wolfgang Furtwängler

 

Februar 2015: Jahreshauptversammlung

Am 04.02.2015 fand die Jahreshauptversammlung der OG Asperg im Landgasthof Lamm (Asperg) statt.

Nach der Begrüßung und dem Tätigkeitsbericht der Vorsitzenden folgten die Berichte der Rechnerin und Rechnungsprüferin sowie der Fachwarte.
Albrecht Gemmrich bat um die Entlastung des Gremiums. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Vor dem geselligen Teil wurden die Jubilare geehrt:
50 Jahre Mitgliedschaft: Siegfried Lechler
25 Jahre Mitgliedschaft: Helga Faigle, Ute und Albrecht Gemmrich.
Sie erhielten von Viktor Scheu und Maria Springborn eine Urkunde, die Ehrennadel und Präsente.

Im Anschluß folgte ein gemütliches Beisammensein, das durch heitere Vorträge aufgelockert wurde.

Der Vorstand

SAV OG Asperg Jubilaehrung 2015